Dienstag, 17. August 2010

In Stockholm angekommen

Ein herzliches Hallo aus Stockholm,

der letzten Destination meiner Reise. Nun folgt mein letzter Bericht aus der Hauptstadt Schwedens, der grössten Stadt im grössten Land in Skandinavien. Allein 80 Museen und Attraktionen könnte man hier besichtigen. Dafuer wird mir bestimmt die Zeit fehlen. So werde ich - wie immer - nur die Rosinen heraus picken und ein anderes Mal wiederkommen, um den Rest anzusehen...

Nach meinem letzten Bericht habe ich das schlechte Wetter genutzt und habe die Museen meines Interesses besucht. Fuer dieses Unterfangen habe ich mir den Oslopass zugelegt. Das ist eine Karte, welche fuer eine bestimmte Zeit Zugang zu allen Museen und freie Fahrt mit dem öffentlichen Verkehrssystem beinhaltet. Man muss eine gewisse Anzahlt Fahrten machen und einige Attraktionen besichtigen, damit die Karte rentiert. Locker geschafft...

Zuerst fuhr ich per Schiff auf die Museumsinsel Bygdoy, wo der König einen Sommersitz hat. Hier sind einige sehr interessante Museen anzutreffen. Als erstes besuchte ich das Wikingerschiffmuseum. Hauptattraktionen sind hier in erster Linie drei Wikinkerschiffe.

Falls ein Wikinger hohen Ranges oder dessen Frau nach Walhalla gingen, also starben, beerdigte man Ihn/Sie auf seinem Schiff (samt allem brauchbaren wie Pferden, Diener, Gold, etc) und vergrub alles in der Erde. Das ergab dann einen Grabhuegel in Schiffform (siehe auch Eintrag vom 10.08.2010). Leider wurden im Mittelalter die meisten Graeber geschaendet und die wertvollsten Gegenstände entnommen.

In einigen Gräbern konnten aber, dank guter Konservierung, andere Beigaben und vorallem die Schiffe in guter Qualität bei Ausgrabungen entnommen werden. Drei der besterhaltenen Schiffe wurden nach Ihren Fundorten benannt und in diesem Museum ausgestellt. Im nächsten Bild ist die "Oseberg", ein Vergnuegungsschiff, zu sehen.

Die Wikinger waren vorallem in Norwegen, Schweden und Dänemark heimisch und im Schiffbau fuehrend. Auch auf hoher See waren die Wikingerschiffe absolut seetuechtig. Das muesste dann ungefähr so ausgesehen haben.

Im nächsten Bild ist die "Tune" zu sehen. Leider konnte hier nur noch ein Teil des Schiffes gerettet werden.

Das dritte Schiff heisst "Gokstad" und wurde auch auf hoher See eingesetzt.


Als nächstes, auch auf der Insel Bygdoy gelegen, besuchte ich das Kontiki-Museum. Hier werden die Expeditionen von Thor Heyerdahl, einem beruehmter norwegischen Ethnologe, Abenteurer und Wissenschaftler dokumentiert. Alle Geschichte zu erzählen, wuerde hier den Rahmen sprengen. Deshalb die Stichwoerter: Kon-Tiki, Ra1, Ra2, Tigris, Rapa Nui, Polynesien.

In diesem Museum werden einige Originalschiffe, Skizzen und Videos gezeigt und die Zusammenhänge zwischen der Alten und Neuen Welt thematisiert.

Im nächsten Bild ist die Ra 2 aus Papyrus zu sehen, mit welcher er und sein Team 1970 den Atlantik ueberquert hatten.


Das naechste Bild zeigt das Floss Kon-Tiki, mit welcher Heyerdahl die Möglichkeit bewies, in der Präkolumbianischen Ära von Suedamerika nach Polynesien zu reisen.


Danach stand das Fram-Museum auf dem Programm. Genau neben dem Kon-Tiki Museum gelegen, war dieses trockenen Fusses erreichbar. Die Attraktion hier ist die Fram, das jenige Holzschiff, welches am meisten in noerdliche und suedliche Gewaesser vorgedrungen war. Ein gigantisches Schiff mit einer Wasserverdrängung von 800 Tonnen, welches von Nansen in Auftrag gegeben wurde und später auch von Sverdrup sowie Amunsen fuer Ihre Expeditionen benutzt wurde.

Am späten Nachmittag des "Museumstags" traf ich, wie im letzten Eintrag angekuendigt, Lasse. Mein persoenlicher Osloguide. Von Ihm wollte ich mehr ueber den Fussball von Oslo und die oertlich Pubszene erfahren.

Wir trafen uns im Scottsman, ein beruehmter Pub in mitten der Flaniermeile. Danach besuchten wir das "The Bohemian", der offizielle Pub der Supporter von Valerenga, dem Fussballklub Nummer eins der Stadt.

Anschliessend wollte Lasse mir das Herz von Valerenga zeigen, ein Wirtshaus im gleichnamigen Quartier. Auf dem Weg dorthin fuhren wir am National- und gleichzeitig Heimstation von Valerenga vorbei, passierten das Trainingsgelände und genehmigten uns einen Pint in einem alten Osloer Multi-Kulti Quartier namens Gronland.

An diesem Abend war ja auch das Testländerspiel Norwegen - Frankreich, welches wir dann im Herzen von Valerenga mit einem Auge mitverfolgten. Die Stimmung war dem Spielverlauf entsprechend...

Darauf stand ein Sightseeing zu Fuss und "By Night" auf dem Programm. Auf dem Weg ins Trendquartier Gruenerlokka passierten wir auch das Hockeystadion von Valerenga und das Munchmuseum. Den Abend liessen wir in einem Inlokal, welches auch an einem Wochentag voll ist, ausklingen. Fuer einmal war ich in Oslo wohl der einzige Tourist, genau nach meinem Geschmack. Dank meinem Osloguide habe ich Oslo von einer Seite gesehen, welche ich sonst nicht erlebt hätte.

Tusen takk Lasse for moroa og pedagogiske kveld!!!

Am folgenden Tag war das Wetter dann etwas besser und ich konnte Das Sightseeing "By Day" weiterfuehren. Als erstes, da nahe an meinem Camp gelegen, besuchte ich den Holmenkollen. Die Skisprungschanze wird im nächsten Jahr hoffentlich glueckbringender Ort fuer Simi, wenn die Nordischen Weltmeisterschaften anstehen. Hier war deshalb alles noch ein wenig im Umbau. Die Aussicht vom Turm war aber trotzdem atemberaubend. Man sieht Oslo mit Fjord und hinauf bis zur Normarka, dem Wald- und Seengebiet von Oslo. Der Schanze angegliedert ist ausserdem das Skimuseum.




Als nächstes stand der Königspalast auf dem Programm. Die Residenz des Königs ist nur beflaggt, wenn er zu Hause ist. Zudem patroulliert die Garde in Synchronschritt. Aber seht selbst...




Danach besuchte ich das Kulturhistorische Museum. Hier kann man die Geschichte Norwegens anhand Gegenständen von anbeginn bis heute nachvollziehen. Ausserdem sind hier ein Wikingerschatz, der besterhalte Helm und Grabbeigaben zu bewundern.



Auf meiner Sightseeingtour folgten die alte Universität, die Festung Akershus am Hafen, die Cityhall und (im nächsten Bild zu sehen) das Nationaltheater.
Am selben Abend bekam ich vor meiner Huette besuch von einem Igel und einem Fuchs, beide etwa auf zwei Meter. Die Elchsaffari fuer 350 Euro (!!!) war mir dann aber definitiv zu teuer...


Am nächsten Tag verliess ich Oslo und schon bald war ich wieder in Schweden. Ich schlug den Weg richtung Göteborg ein. Mir fehlte ja noch ein Länderpunkt und da war am Sonntag ein vielversprechendes Spiel in Göteborg...
Ich uebernachtete unterwegs in einer Huette und erreichte Göteborg am nächsten Tag. Eine tolle Stadt. Wie es der Zufall so will, war an diesem Wochenende einiges los. Nebst dem Heimspiel von IFK Göteborg gegen IF Helsingborgs (aktueller Leader der Allsvenskan) und dem Stadtfest, war das grosse "Way out West" Urban Festival mit drei Buehnen im Slottskogen angesagt. Fuer mich natuerlich ein Muss...
Der heutige Headliner war mir bestens bekannt. "The Chemical Brothers" aus England und Pioniere des Big Beats. Die beiden waren das Eintrittsgeld schon alleine wert. Natuerlich besuchte ich auch noch andere Konzerte. So auch Talib Kweli, Pavement, Konono No1 und Hakan Hellström aka Polo Hofer Schwedens.

Auf dem ersten Bild ist Ed Simons von den Chemical Brothers zu sehen.
Im nächsten bild, ganz rechts, Hakan Hellström. Gemäss Konzertbesuchern kennen ihn 100% der Schweden...


Tags darauf war dann wieder Fussball Trumpf. Diesmal rechtzeitig vor Ort fand ich Zeit, die ganze Umgebung auszukundschaften. So fand ich heraus, das das Spiel im etwas kleineren (17000 Fans) Stadion "Gammla Ullevi" ausgetragen wird, da das grosse nebenan (43250 Fans) nur bei Lokalderbys, z.B. gegen GAIS oder fuer Meisterschaften geöffnet wird.


Im folgende Bild das groessere Mehrzweckstadion "Nya Ullevi". Bei Konzerten finden hier sogar 59000 Personen platz. Es ist das groesste Stadion in Schweden.

Bevor das Spiel begann, beobachtete ich den Einzug der Gästefans des Leaders, welche mit Fanfaren und Gesang eine Machtdemonstration auffuehrten. Mein Platz war wie immer in der Heimkurve, die dann auch das ganze Spiel ueber den Takt angab. Die Heimfans, praktisch der gesamte Oberrang machte Stimmung und erzeugten bei mir mehrmals Gänsehaut, was selten vorkommt! Die einigen hundert Hellsinngborgsfans machten ordentlich Stimmung, waren aber gegen die heimische Uebermacht chancenlos. Supportmässig sicher das beste Spiel bisher.
Auf dem Spielfeld sah es anders aus. Das Spiel ging hin und her. Die Chancenverteilung etwa 50:50. Nach zwei roten Karten (je eine) wurde das Spiel zusehends ruppiger. Am Ende trennten sich die Teams 0:0 unentschieden. Leider keine Tore in diesem Spiel. Aber man darf auch nicht immer sieben Tore erwarten. Mit dem zwölften Länderpunkt in der Tasche gings auch schon weiter richtung Stockholm.
Hier habe ich nach einer Uerbernachtung unterwegs, in einer Topvilla mit allem Schnickschnack, nun Camp auf einem etwas nördlicheren Platz, auf dem Weg zum Flughafen, aufgeschlagen. Somit muss ich dann am Abreisetag nicht durch den Morgenverkehr Stockholms...
Ich bewohne, zusammen mit einer norwegischen Profigolferin, eine Art Hostel mit gemeinsamem Bad und Kueche. Meiner Nachbarin habe ich alle restlichen Lebensmittel und Campingartikel geschenkt, welche ich wegen des Gepäcklimits nicht mit nach Hause nehmen kann. Es war sehr interessant, ein wenig ueber Golf zu diskutieren. Ich wuensche Ihr beim heutigen Turnierstart in Stockholm viel Glueck.
Heute steht ein kurzes Sightseeing auf dem Programm. Einige Souvenirs wollen gekauft sein und dann bereite ich alles fuer den morgigen Rueckflug vor.
Zuerst wird morgen der Mietwagen vollgetankt und mit rund 7000km mehr auf dem Buckel zurueckgegeben. Danke KNU187 fuer Deine Dienste, ich werde Dich vermissen. Danach wird eingechecked, das Taxfree Geld abgeholt und die letzten Kronen in der Businesslounge verprasst, bevor ich dann um 09.45 Uhr mit einer A320 Skandinavien verlasse und mit einem weinenden und lachenden Auge Goodbye sage.
Somit beende ich meine Berichterstattung aus Skandinavien und hoffe, Die eine oder Der andere haben gerne mitgelesen. Ich bedanke mich fuer die vielen Komplimente in den Kommentaren und die zahlreiche Leserschaft!
Hej do...

Dienstag, 10. August 2010

Hej Hej aus Oslo

Nun bin ich also bereits in Oslo,

eine Woche ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Wie immer habe ich wieder viel erlebt.

Nun zu den Details:

In Geiranger hatte ich am Tag meines Boottrips mit der MS Geirangerfjord einen regenfreien Tag mit passablem Wetter erwischt. Deshalb hat es davon auch einige Bilder in der Galerie.

Als erstes wieder ein Bild (frueh am Morgen) - noch ohne Tourigedraenge auf der Aussichtsplattform am Adlerweg - auf den Geirangerfjord, diesmal in die andere Richtung.
Danach ging es ab auf das Schiff. Wiederum war ich froh um die Reservation vom Vortag, denn das Schiff war rappelvoll. Als notorischer Fruehaufsteher war ich rechtzeitig vor Ort und konnte mir dementsprechen einen der besten Sitzplaetze am Bug sichern. So musste ich mich nicht um einen Platz pruegeln, so wie das andere Reisende in so einer Situation jeweils gerne tun.

Unten sieht man die beruehmten sieben Schwestern. Zwei davon waren heute wohl im Urlaub, nach der strengen Zeit im Fruehjar zur Zeit der Schneeschmelze...
Der Bootstrip dauerte rund 1,5 Stunden und fuehrte einmal durch den S-foermigen Geirangerfjord und wieder zurueck. Im naechsten Bild seht Ihr den Wasserfall namens Freier. Gemaess den Legenden, soll er allen sieben Schwestern wiederholt und mehrmals einen Heiratsantrag gemacht haben. Der Freier warte angeblich noch heute auf eine Antwort. Keine Antwort ist auch eine Antwort...


Bei der Rueckkehr in den Hafen passierten wir zahlreiche Kreuzfahrtschiffe, die hier jeden Tag vor Anker liegen und eine Menschenmasse unbeschreiblichen Ausmasses auf die Souvenirshops von Geiranger loslassen.
Der Einstieg in den Tag war somit gelungen und ich besuchte das Fjordcenter. Nebst einem Vierjahresfilm ueber die Fjordumgebung, erhaelt man hier allerhand interessante Infos rund um die Region. So wurden an unwirtlichen Haengen zahlreiche Bauernhoefe bewirtschaftet, die mittlerweile aufgegeben wurden und von einer Institution wieder restauriert wurden. Ausserdem sieht man die Geschichte ueber die touristischen Beginne und deren Auswirkungen auf Land und Leute. Wusstet Ihr, das in diesem Fjordgebiet (und wohl auch in anderen) ein latentes Risiko eines Tsunamis infolge Erdrutsche/Steinschlag besteht? Dem Kapitel Naturkatastrophen ist demnach auch ein groesserer Teil gewidmet. Es gab in der Vergangenheit zahlreiche Katastrophen...
Am Nachmittag goennte ich mir einen Besuch im Spa das ansaessigen Luxushotels. Nebst dem Standartprogramm wie Aromaduschen, Kneipkur, Hot-Whirlpool, verschiedene Saunen, etc, war ein tuerkisches Saunaritual herausragend, das ich so noch nie mitgemacht habe. Sieben Minuten mit speziellem Rosmarin-Oel-Wasser schwitzen (inkl. menschlichem Ventilator), danach mit grobkoernigem Salz einmassieren, darauf mit Crashed-Ice abreiben und am Schluss unter die sieben Schwestern - ein ausloesbarer Eiswasserzuber und zum Schluss noch mal sieben Minuten schwitzen, danach abkuehlen. Praedikat genial! Danach schlief ich den Schlaf der Gerechten, den der naechste Tag wuerde lange werden.

So war ich dann schon frueh auf der Strasse. Spaetestens jetzt, ging es auf meiner Reise auch wieder in die Berge und die Gegenden der Fjells und Gletscher. Als erstes erklomm ich - oder besser gesagt der KNU187 - den Dalsnibba. Mit rund 1500 Meter ueber Meer doch eine rechte Wand, wenn man bei null Meter beginnt. Dort oben war es recht windig. Immerhin konnte ich so den Nebel hinter mir lassen. Die Aussicht auf die umliegende Region waren die 85 Kronen Strassenzoll wert. Das naechste Bild zeigt den Geirangerfjord - vom Nebelmeer bedeckt.
Die Fahrt Richtung Balestrand am Sognefjord war sehr kontrastreich. Sobald sich jeweils die Sonne zeigte kamen die Farben wunderbar zur Geltung.


Ich nahm mir die Zeit und fuhr abseits der grossen Strassen zu meinem Ziel und sah so viele Wasserfaelle, Weiden und Gebirgsfjelle. Dies nahm mehr Zeit und Kilometer in Anspruch, war aber auch viel abwechslungsreicher und dementsprechend interessanter.



In Balestrand am Sognefjord bezog ich Camp im Ort. Hier im Dorf pflegte jeweils Kaiser Wilhelm seine Sommerferien zu verbringen, was dem Tourismus noch heute foerderlich ist. Kaiser Wilhelm war es auch, der bei zwei Wikingergraebern (Schiffform-Huegel) ein Monument spendete und dem Oertchen so seinen Dank aussprach. Die Wikingergraeber besichtigte ich im Morgengrauen des naechsten Tages, ganz fuer mich alleine. Diesmal trugen die Regenwolken und das durchbrechende Licht einer mystisch anmutenden Szenerie bei.
Wie immer, decke ich mich mit Broschueren und Infos ein. So fand ich heraus, das gewisse Villen im Swiss-Style gebaut wurden. Das konnte ich mir natuerlich nicht entgehen lassen. Ein bisschen Heimat tut immer gut. Angesichts der fruehen Stunde, beliess ich es beim betrachten der Architektur, welche mit norwegischem Stil ergaenzt wurde. Mein markerschuetternder Jodel waere im Quartier wohl nicht gut angekommen...

Danach ging es im Regen nach Bergen - ein passender Reim - wie ich finde. Etwas ausserhalb in Lone bezog ich fuer zwei Naechte eine Huette. Bei einem ersten Rundgang in der City - die Sonne schien - erfuhr ich vom "Lost Weekend Festival - 10 Jahres-Jubilaeum" auf einer nahen Insel. Livemusik, das war fuer mich in dieser Kulturstadt und fuer den Moment genau das Richtige! Nichts wie hin. Sightseeing geht auch im Regen - dachte ich - und macht mich auf den Weg. Ein teurer Spass wars, das kann ich Euch sagen, es war aber jede Krone Wert. So sah ich unter anderem: Datarock, The Alexandria Quartett, Navigators und The Cumshots.
Am naechsten Tag stand ein Fussballspiel der dritten Division auf dem Programm. Stand... Wegen schlechter Planung meinerseits und Falschinformationen betreffend der Location fand ich den Match nicht. So verbrachte ich den Nachmittag rund um Bergens Vorstaedte mit ausgedehnten Spaziergaengen. So kanns einem halt auch einmal ergehen - wahre Groundhopper stecken das locker weg. Ich troestete mich am Abend mit leckerem Grillfleisch.
Am naechsten Tag holte ich dann noch das Sightseeing nach. Einerseits wollte ich das Aqvariet erleben, wo man nebst anderen Attraktionen auch Fische der Fjorde in der Region betrachten kann. Andererseits wollte ich auch noch den einen oder anderen kulturhistorisch interessanten Punkt besuchen.
Der Besuch im Aqvariet war ein Reinfall und kein Tip. Die Becken dreckig und die Bewegungsmoeglichkeit der ungluecklick wirkenden Tiere war stark eingeschraenkt. Die Bilder im Fotoalbum sollen dies dokumentieren.

Einzig die Pinguine, mit einer einigermassen grosszuegigen Anlage hatten in meinen Augen Spass und zeigten auch artgerechtes Verhalten. Auf den naechsten beiden Bildern seht ihr einen mustergueltigen "Steinklau" aus einem anderen Nest. Fuer Singelmaennchen sind Steine eine Art Verlobungsgeschenk. Nimmt die Singlelady den Stein an, bleiben Sie ein Paerchen fuers ganze Leben. Ausserdem haelt ein hoher Steinhaufen die Eier in genuegender Entfernung der Feuchtigkeit.
Waehrend der eine Fisch futtert, klaut der andere die Steine...

Etwas betruebt ueber den Gesamteindruck des Aqvariet, ging es an das Hafenbecken. Am einzigen offenen Fischmarkt in Norwegen gab es natuerlich frische Shrimps - oder in meinen Breitengraden auch Mister Krebs genannt. Die Szenerie dort vermochte meine Laune dann wieder aufzuheitern. Dem tat auch das uebliche Wetter in Bergen keinen Abbruch.

Nebst der Domkirche und dem Rosenkranzturm, besuchte ich auch die Brygge. Ein geschichtstraechtiges Haeuserensemble direkt am Kai. Alle Details kann ich hier nicht ausfuehren. Wer sich interessiert, erfaehrt mehr mit Stichwort "Hanse, Handelskontor, etc.".
In die Hoehe ging es diesmal nicht, man haette schlicht nichts gesehen...

Das Wetter veranlasste mich schlussendlich, zeitig Richtung Hardangerfjord weiterzuziehen. Uber weite Fjelle, via Bergstrassen vorbei an Wasserfaellen und durch weite Waelder.
Hier muss ich den Norwegern ein Kompliment machen. Die zahlreichen Metallwerke benoetigen eine unvorstellbare Masse an elektrischer Energie. Da auf diesem schoenen Fleckechen Erde kein einziges AKW steht, wird der Strom vorwiegend durch Wasserkraft erzeugt. Hier oben in den Bergen ist dank der Gletscherschmelze ein immenser Wasserreichtum vorhanden, der auch rege genuetzt wird. Stromleitungen sieht man viele, jedoch nur selten Kraftwerke oder Staumauern. Diese sind oft im Berg versteckt und trueben nicht das Landschaftsbild. Gebirgsseen sind unterirdisch verbunden und so fuer die Stromgewinnung nutzbar. Zu Lasten dieser Technik gingen einige Wasserfaelle - oder deren Intensitaet - womit ich aber gut leben kann. Nur selten sieht man - zumindest ich auf meiner Route - eine Staumauer oder abgesenkte Seespiegel, wie hier im naechsten Bild.
Auf dem Weg nach Roldal brachte ich bei einem Tankstop das Auto nach rund 6500km auf Vordermann. Motorenoel auffuellen, Reinigungswasser fuer die Wischanlage nachfuellen (davon braucht man aus verschiedenen Gruenden reichlich), Kuehlwasser und Reifendruck ueberpruefen. Was sich eben so gehoert. Danach wurde in Rolldal im Zelt uebernachtet. Und IMMER wenn ich dies tue, regnets, bestimmt...
Tags darauf fuhr ich via Dalen nach Eidsborg und besichtigte die erste Stabkirche auf meiner Reise. Das spezielle an dieser Kirche war, dass die Schindeln bis am Boden angebaut wurden. Leider war die Kirche verschlossen und nicht besichtbar. Der alte Teergeruch war aber noch sehr praesent.
Die Reise fuehrte mich weiter nach Seljord, wo ich an einem tollen Camping am See uebernachtet habe, das Wetter muss ich nicht jedes mal erwaehnen...
Heute morgen beim Zeltabbau lief mir ein Setter Jagdhund zu, der wohl die ganze Nacht ueber Voegel gejagt hatte. Ein auf Englisch abgerichteter, durchnaesster und die Leine hinter sich herschleifender Junghund. Ich forderte ihn auf seinen Platz zu suchen. Dies tat er auch mit Erfolg, wie sich spaeter herausstellte. Ich getraute mich aber nicht, die Leute im Zelt zu wecken und band den Hund bei mir an einen Baum. Der Besitzer war dementsprechend gluecklich, als er seinen Hund (derzeit in Aubildung)wieder zurueck hatte. Der Name des Hundes war Bajass, eine durchaus zutreffende Sache...
Heute frueh ging es via E134 nach Heddal, dort steht die groesste noch erhalten Stabkirche Norwegens. Diesmal mit Eintritt und kompetenter, deutscher Beratung.
Eine Anektode wert sind sicher die Einstichloecher an den seitlichen Waenden des Laengsschiff. Auch zu den frueheren Zeiten waren Waffen in den Kirchen verboten. Ausgenommen waren aber Messer, die als Hutgarderobe eingesetzt wurden...

Danach ging es noch die letzten Kilometer weiter nach Oslo, wo ich nun waehrend drei Naechten auf einem Camping stationiert bin. Diesmal nach zwei Regennaechten im Zelt wieder in einer Huette. Morgen werde ich die grossen Norwegischen Museen besichtigen und am Abend Lasse treffen, den ich in Tromso kennengelernt habe.

Nach den Tagen in Oslo verlasse ich schon bald Norwegen und verbringe meine letzten Reisetage in Suedschweden, bevor ich zurueck nach Stockholm fahre.

Alle Karten und Fotos sind aktualisiert.

Liebe Gruesse, Nicolas

Dienstag, 3. August 2010

Geirangerfjord

Hej Hej aus Geiranger! Zur Zeit bin ich im kleinen Ort am wohl beruehmtesten Fjord Norwegens fuer mehrere Tage stationiert. Mittlerweile ist die Haelfte meiner Reisezeit um und es geht langsam wieder Richtung Zivilisation. Obschon das bei diesem grossen Land beinahe uebertrieben ist...

Hier im Laizas, einem Internetcafe im Ort, habe ich alle Moeglichkeiten die ich brauche, um Euch auf dem Laufenden zu halten. Wie immer wenn ich Fotos uploade, dauert das eine Ewigkeit. Ich kann den Platz hier - mit einer schnellen Gratisleitung - nur empfehlen. Eben laeuft das Kreuzfahrtschiff AIDA mit Trompeten und Fanfaren aus...

Als erstes gibts ein paar Bilder von den Lofoten. Bei einem der schoenen Tage in Norwegen war ich lange unterwegs und habe mir alle Inseln angesehen. Es ist im Sommer wirklich traumhaft schoen dort. Im Winter duerfte die selbe Location aber wohl ziemlich unkomfortabel sein.


Nach den zwei Tagen auf den Lofoten gings mit der Faehre von Moskenes nach Bodo. Ein Dank gilt hier meinem Norwegenbuch. Haette ich meinen Platz auf der Faehre nicht wohlwissentlich vorgebucht, wuerde ich wohl noch heute in der Schlange anstehen. Der Aufpreis fuer die Reservation hat sich ausbezahlt.

Die vierstuendige Faehrueberfahrt darf man infolge schlechten Wetters als sehr bewegt bezeichnen. Da ich mir meiner Seetuechtigkeit - mangels Erfahrung - nicht sicher wahr, habe ich mir bereits in der Schweiz "Trawell", Kaugummis fuer alle Arten von Reisekrankheiten, zugelegt. Schon bald merkte ich aber - ein alter Seebaer halt - dass ich nicht davon betroffen bin. Deshalb war ich fortan Boarddoktor und versorgte das halbe kotzende Schiff mit Medizin. Sorry fuer die - treffende - Ausdrucksweise.

In Bodo angekommen, wollte ich erst einmal Land gewinnen. Deshalb waehlte ich die schnellere E6 und nicht die Kuestenstrasse, welche mich weitere 2-3 Tage gekostet haette. Das spare ich mir, ebenso wie der Saltstraumen fuer eine naechste Reise auf. Ein weiteres Mal musste ich feststellen: Wuerde ich ueberall anhalten wo es mir gefaellt, kaeme ich nie zur Zeit wieder nach Stockholm...

Die Strecke durch Waelder, entlang an Fluessen und ueber Fjells war - trotz Regen - wunderbar zu fahren. Den Polarkreis passierte ich ohne anzuhalten. Quartier fuer eine Nacht bezog ich in einer von der E6 abgelgenen Campinghuette in Korgen. Den Abend verbrachte ich mit Waesche waschen. Nicht gerade meine Lieblingsbeschaeftigung, muss aber auch sein. Ein Abenteuer wars - das kann ich Euch sagen. Eine norwegische Maschine habe ich weiss Gott noch nie bedient. Als die Programmdauer zwei Stunden ueberschritt, macht ich mir langsam sorgen und oh Schreck - auf dem Display stand 60 Grad. Ich kann Euch aber beruhigen. 60 Grad ist in Norwegen wohl wie unsere 40 Grad. Die Kleider sind sauber und nicht eingegangen. Trotzdem lasse ich mir das naechste Mal wohl besser helfen...

Am Tag darauf frass ich die Kilometer bis nach Trondheim. Die Strecke nicht mehr so spektakulaer, trotzdem durch schoene Landschaften. Dabei habe ich zwei Fuechse und ein Eichhoernchen gesehen. Ich bezog fuer zwei Naechte Camp auf einem schoenen Platz in Storsand am Fjord ca. 15 km noerdlich von Trondheim, die drittgroesste Stadt Norwegens. Am selben Abend war ein Grosseinkauf angesagt, da einige Sachen am ausgehen waren und ich fuer den naechsten Tag ein Festessen plante.

Am naechsten Morgen - dem ersten August und Schweizer Nationalfeiertag - folgte eine Sightseingtour bei passablem Wetter.

Im Nidarus-Dom (Trondheim hiess frueher einmal so) werden noch heute die Koenige gekroent. Zudem lagen hier einst die Gebeine des heiligen Olavs, welche aber von den Daenen gestohlen und wohl vernichtet wurden.

Zurzeit wird am Dom einiges restauriert. Im Hof neben der Kirche kann man dabei zusehen, wie Handwerker mit den alten Techniken die verwitterten Teile nachbilden. Eine sehr interessante Sache, nicht nur fuer die Vermesser unter den Lesern.
Am Mittag dann (mittlerweile regnete es wieder wie aus Kuebeln) und nach der Beflaggung meiner Huette - wurde die Kochschuerze gebunden und zwei Rindsfilet gebraten, dazu "Spaghetti alla Mama Schudel". Ich traeume noch heute davon. Gestatten: Schudel, Nicolas Schudel...
Am Abend besuchte ich das Fussballspiel Rosenborg Trondheim - Haugesund. Der norwegische Traditionsklub und rekordmeister RBK gewann mehr als zwanzig Landesmeisterschaften und ist in Europa eine feste Groesse. Das Spiel verfolgte ich aus der Heimkurve. Leider habe ich hiervon keine Bilder, da meine Kamera den Ordnern zu proffesionell war. Das Spiel war recht spannend und der Klasseunterschied nicht bemerkbar. Rosenborg gewann schlussendlich mit 4:3. Den Abend liess ich im Lill Londen Pub bei Bier und Fussballtalk ausklingen. Bier fuer 14 Franken, man goennt sich ja sonst nichts...

Am nachsten Tag gings am Nachmittag dann weiter Richtung Sueden. Ich waehlte die nicht so stark befahren E39 um nach Kristiansund zu gelangen. Dort befuhr ich die Atlantikstrasse. Eine der vielen offiziellen Touristenstrassen durch unberuehrte Natur. Mehrere Inseln werden in rund 9 km und acht Bruecken ueberquert. Bei dem Wellengang haette ich Chancen auf einen guten Dorschfang gehabt. Leider wollte keiner vor mein Auto huepfen. Das fotografieren liess ich deshalb auch bleiben. Ich fuhr nach einer Faehruberfahrt von Molde (Moldefjord) bis nach Andelsnes durch. Hier begannt nun bereits ein weiterer Hoehepunkt meiner Reise. Mittelnorwegen mit seinen Fjorden...

Zuerst galt es aber den Trollstigen zu bezwingen. Eine spektakulaere Passstrasse mit elf Haarnadelkurven vorbei an Wasserfaellen und Bergbaechen. Der Suppendeckel verdeckte die Sicht auf das gewaltige Bergmassiv (Bischof, Koenig und Koenigin).

Die grandiose Aussicht von der Passhoehe ins Valldal moechte ich Euch nicht vorenthalten...
Wie das Leben so ist :-) Man kann nicht immer auf bessere Zeiten warten. Das Wetter kann man nicht beeinflussen. Ich nehme es so wie es ist und lasse mich nicht unterkriegen. Klar waere die Landschaft im besseren Licht noch attraktiver, wir muessen uns das jetzt gezwungenermassen in der Fantasie vorstellen. Think positiv! Als einzige Konsequenz werde ich nun vermehrt in Huetten uebernachten, was ja auch seine Vorteile hat...

Der Weg fuehrte mich weiter talabwaerts zum Gudbrandsjuvet, einem Bachlauf, der sich mit den Jahren tief in den Fels gegraben hat und mittlerweile ein Wasserfall ist.
Nach der Uebersetzung mit der Faehre nach Eidsdal ging es via Adlerweg, ebenfalls eine Passtrasse, nach Geiranger. Von der Adlerkurve aus hat man einen ersten guten Blick in den Geirangerjord richtung Ort.
Danach war erst einmal Huettensuche angesagt. Aehnlich den Lofoten - ist hier einiges los. Obschon ich frueh hier war, klapperte ich etwa fuenf Vermieter ab, bis ich fuendig wurde. Nun bin ich nicht in meinem Wunschresort - das haette ich vorreservieren sollen - aber immerhin etwas erhoeht mit Blick auf den Fjord.

Morgen habe ich mir einen Platz auf der MS Geiranger gesichert, um das erste norwegische UNESCO Weltnaturerbe vom Wasser aus zu erleben. Ich freue mich sehr.

Nun seit Ihr wieder auf dem neusten Stand. Ich habe ebenfalls alle Karten nachgetragen. Im Fotoalbum hat es zudem viele neue Bilder. Viel Spass damit und bis bald. Vermutlich aus der Region Bergen...