Hej Hej aus Norwegen! Wie Ihr unschwer festgestellt habt, ist es hier oben schwierig, eine funktionstuechtige Internetstation mit einer schnellen Leitung zu finden. Mittlerweile bin ich am zehnten Tag meiner Reise in Alta - der groessten Stadt im Norden - angekommen. Hier in der Bibliothek sind Sie so nett und lassen mich laenger als die ueblichen dreissig Minuten ans Netz.
Ich habe Euch wieder viel zu berichten. Es sind doch schon einige Tage seit meinem letzten Bericht vergangen. Zurzeit ist ganz schlechtes Wetter hier, weshalb ich mit gutem Gewissen ausfuehrlich berichten kann.
Am Ende meines letzten Berichtes erwaehnte ich den Fussballmatch, den ich besuchen wollte. Diesen Plan setzte ich am naechsten Tag in die Tat um. Wie das so ist bei Spielen in fremden Ligen, sind die Zeitangaben der Sachverstaendigen nicht immer zuverlaessig. Wohlwissentlich ging ich deshalb eine Dreiviertelstunde frueher ins Stadion und siehe, der Match lief bereits fuenfzehn Minuten. Da habe ich nochmals Glueck gehabt... Das spannende Spiel endete mit 3:2 fuer das Heimteam PS Kemi in den unsympathischen blauen Dresses. Hier im Bild die alleinige Torschuetzin fuer Kemi.

Gluecklich ueber den soeben gesammelten Finnland-Laenderpunkt, machte ich mich auf den Weg Richtung Rovaniemi. Auf dem Weg dorthin passierte ein seltsam anmutender Schwertransport. Vielleicht weiss jemand von Euch, was das fuer Teile auf den Lastwagen sind. Diese Pause verzoegerte die weiterreise, war aber nicht weiter schlimm.

In Rovaniemi angekommen, errichtete ich das Camp an einer Flussgabelung in einem privaten Campingplatz. Mir gehen die Superlativen aus, wenn ich die Skandinavische Natur beschreiben soll. Bisher mit Abstand der schoenste Campingplatz meiner Reise. Zur Feier des Tages baute ich am Sandstrand einen sechskoepfigen Steinmann. Ihr duerft mir auch Statikgott sagen...

Am naechsten Tag besuchte ich das Arktikum. Ein Museum ueber die arktischen Regionen und die Geschichte der Lappen. Eine sehr interessante und lehrreiche Thematik. Mich ueberzeugte der Bau auch architektonisch, mit seinem 147m - teils unterirdisch - langen Glasbau.

Nach dem Museumsbesuch sollte der Polarkreis fallen. Kurz vor dem Polarkreis wohnt der Samichlaus, dem ich natuerlich einen Besuch abstatten musste. Ich fuehre ja sozusagen seine Vertretung in der Schweiz - zumindest in Grindelwald. Leider war er nicht zu Hause, dieser vielbeschaeftigte Mann. Die obligate Postkarte fuer die Grossmutter - welche hier nicht mitlesen kann - pflichtbwusst im "Santas Postoffice" aufgegeben.

Dannn der historische Moment. Bei der Ueberschreitung des Polarkeises gedachte ich der vielen tausend ausgegebenen Tourieuros, welche hier dankend fuer allerhand Ramsch entgegengenommen werden.

Nun ging es weiter Richtung Norden, mit dem Ziel Inari. Auf dem Weg durch die unberuehrte Natur Finnlands, kaufte ich noch einen Viertel von einem frisch geraeucherter Lachs. Das Wetter wurde zusehends schlechter. Am Inarisee fand ich dann einen Campingplatz. Der Inarisee ist den Sami heilig. Dem kann ich nur beipflichten. Der See ist mit seinen vielen tausend Inseln der wohl schoenste Suesswasserspeicher, den ich jemals gesehen habe. Das sagt einer, der am Vierwaldstaettersee wohnt! Die Wettergoetter waren mir nun nicht mehr hold. der erste ausgiebige Regen folgte. Ich troestete mich mit dem mitgebrachten Lachs. Hier traf ich eine lustige deutsche Reisegruppe welche in 23 Tagen eine dichtgepackte Skandinavientour machen. Das Motto lautet fahren, essen, schlafen im Bus. Den Abend verbrachte ich mit einem netten finnischen Paerchen, das mir fuer ein paar Stunden in ihrem Caravan Wetterasyl anbot und ein Glas wein offerierte. Die beiden halfen mir bei Fragen jedwelcher Art. Es war sehr auffschlussreich und interessant. Danke Tarja und Pekka!

Nach einer Stuermischen Nacht besserte sich das Wetter. Ich konnte das Zelt trocken abbauen.
Nun gings weiter - es kam langsam Norkapfieber auf. Das Wetter besserte sich nur kurzzeitig.
Das nachfolgende Bild zeigt symbolische ein Rentier. Je noerdlicher man kommt, umso mehr hat es davon. Die nicht wirklich intelligenten Tiere sind gefaehrliche Strassenverkehrsteilnehmer. Sie rennen auf die Strasse wann sie wollen, laufen dann im Zick vor Dir her und verlassen dann die Strasse, um gleich wieder zurueckzukommen. Auf dem Teller schmecken Sie mir aber vorzueglich, vorallem in geraeucherten Zustand. Nun bin ich noch auf der Suche nach einem Elch. Ich hoffe auf das Glueck, einen vor die Linse zu bekommen.

Der Weg richtung Grenze ist fantastisch zu fahren. Kilometer lang einfach nichts. Keine Zivilisation, keine Gegenverkehr, nichts. Nur ich und die Strasse. Das erste Mal fuehle ich mich in to the wild.

Nach der Grenze habe ich mich mit norwegischen Kronen eingedeckt. Hach ist es herrlich mit dem momentan starken Schweizer Franken zu reisen. Fuer 100 CHF gibts satte 620 Kronen. Das reicht eine Weile. Auf dem Weg Richtung Nordkapp nehme ich zwei sympathsche Polen mit, welche in nur fuenf Tagen von Warschau bis hier her gereist sind. Ich habe ja noch Platz im Fahrzeug. Und ich kann das Klischee nicht beschtaetigen. Ich habe mein Auto noch... Je weiter wir fahren, desto karger wird die Natur. Hier wachsen kaum mehr Baeume.

Der Weg fuehrt rund 150 km gen Norden. Der Tunnel auf die Insel Mageroya koennte abenteurlicher nicht sein. Er fuehrt mit gefuehlten 20 Prozent Neigung rund 130m unter dem Meer durch und steigt eben so steil wieder an. Auf der Insel ist das Wetter noch einmal mieser. Wir sind mittlerweil so weit noerdlich, dass kein Baum und Busch mehr waechst. Nur noch Gras, Moos und Felsen. Nach der Entrichtung des Obulus an der Kasse, fahren wir auf das Areal vom Nordkap. Die groesse des Parkplatz laesst erahnen, was uns am Abend erwarten wuerde...
Wir besichtigen das Gebiet bereits am Nachmittag und haben das Nordkap praktisch fuer uns. Mittlerweils nieselt es und orkanmaessige Boeen zischen ueber die Klippe. Man merkt, dass es nicht mehr weit zum Nordpol ist. Etwa die gleiche Distanz, wie zu meinem Startpunkt in Stockholm.

Ich fuehle mich zum ersten Mal wie ein Japanischer Tourist vor der Eigernordwand. Ich kann den Finger nicht vom Ausloeser meiner Kamera lassen. Da ich Euch mit diesem Exzess verschonen will, nur eine kleine Auswahl der Bilder. im Hintergrund das wahre Nordkapp, welches 300m weiter noerdlicher liegt und nur zu Fuss erreichbar ist.

Das Wetter verschlechterte sich stuendlich. Mittlerweile regnete es. Die Mitternachtssonne versteckt sich hinter tiefhaengenden Regenwolken. Die Position haette gepasst, die Sonne zeigte sich aber nicht. Wenigstens habe ich das Nordkap so erlebt, wie es in rund 362 Tagen im Jahr aussieht.

Bereits nach Mitternacht, koche ich meine beruehmten Spaghetti Bolo. Die Polen meinten, das waere besser als zu Hause (und ich habe mit meinem Kocher improvisiert). Die andere Nordkapcamper in Ihren warmen Wohnmobilen, waren ab unserem Durchhaltewillen beeindruckt und beschenkten uns mit Blumen, Kecksen und Glace. Ironie des Schicksals...
Die Nacht war bewegt und stuermisch bei knapp 0 Grad.
Wie es der Zufall wollte, plante auch der Pole eine Wanderung an das noerdlicher liegende Kap, weshalb wir uns kurzerhand zusammenschlossen. Das machte das Unternehmen sicherer. Voller Erwartungen machten wir uns auf den Weg an den Ausgangspunkt. Ein Parkplatz auf dem Weg zum Nordkap. Das Wetter war immer noch miserabel. Der Nebel schien zu stark. Abwarten auf ein guenstiges Zeitfenster war angesagt. Leider keine Chance. Wir gingen ins noerdlichste Fischerdorf der Welt und fragten einen Koenigskrabbenfischer, wie er unseren Plan einschaetzt.
Er gab uns die noetige Sicherheit, die wir noch brauchten und gab gruenes Licht. Gut ausgeruestet gaben wir uns auf den Weg. Aus den angegebenen 9 km pro Weg wurden dann, gemaess GPS, 16. Der Pfad musste teils selber gesucht werden und fuehrt natuerlich nicht Luftlinie. Wir mussten des oefteren morastigen Stellen ausweichen. Das Wetter wurde etwas besser und sobald wir etwas abgestiegen waren auch die Sicht. Jetzt fuehlte ich mich trotz Begleitung endlich einmal einsam. Hier draussen ist wirklich das Ende der Welt. Im Umkries von drei Stunden Fussmarsch ist wirklich rein gar nichts. Am Ziel angekommen, trugen wir unsere Namen im Kapbuch ein, verpflegten uns und machten uns auf den Rueckweg. Der Pole nahm dann dort noch ein Bad. So wie er das jedes Mal tut, an so einem Ort... Der Rueckweg war erwartetermassen beschwerlich. Nun im Gegenwind und immer bergan, wuchteten wir unser mueden Koerper ueber Stock und Stein, und erreichten das Auto schliesslich nach knapp sechs Stunden.
Gluecklich ueber das geschaffte, verliessen wir diese unwirtlichen Insel. Die Polen liess ich an gewuenschter Stelle aus dem Auto und suchte mir eine Bleibe fuer die Nacht. Nach den Strapazen heute, sollte es eine Huette werden. Und was fuer eine... Da der Campwart nur noch die Dreizimmerdeluxeversion frei hatte und offenbar Mitleid, bekam ich diese fuer ca. 75 Fr. und somit zum Preis der einfachen Kategorie. Ich war zu muede um zu fotografieren, legte das nasse Material aus, ass den Rest Spaghetti vom Vorabend und haute mich aufs Ohr. Nach der letzten Nacht eine wohltat, in einem Bett zu schlafen. So schaetzt man die einfachen Dinger des Lebens...

Ausgeschlafen gings am naechsten tag weiter Richtung Hammerfest. Nun gehts suedwaerts. Hoffentlich wird das Wetter besser. Es wurde.

In Hammerfest angekommen, beobachtete ich eine auslaufende Hurtigrute und besichtigte danach die noerdlichste Stadt der Welt. Es war Saukalt und sehr windig. Kein Ort, um ueber Nacht zu bleiben.

Deshalb fuhr ich den Weg zurueck und schlug den Weg Richtung Alta ein, welcher ueber ein Fjell fuehrte. Die Natur in Norwegen topt noch einmal alles, was ich bisher in Skandinavien gesehen habe. Unbeschreiblich schoen und kaum auf ein Foto zu bannen.

In Alta angekommen, bezog ich Camp am Altafjord und grillierte Wuerste im Feuer. Die Stimmung um Mitternacht war schon fast kitschig. Immer wieder erstaunt mich die Natur von Neuem.

Knapp nach diesem Bild setzte dann wieder der Regen ein. Mein Zelt trocknete ich heute frueh im Heizungsraum des Campingplatzes. Die nette Frau vom Camping half mir zudem bei ein paar Fragen und leistete mir beim Morgenkaffee Gesellschaft. Tusen Takk Maria.
Eingekauft habe heute Morgen im Coop. Nun gehts noch volltanken und dann auf Campsuche.
Bis bald und hej da.
Nicolas
Hallo Nicola
AntwortenLöschenIch beneide dich, trotz dem schlechten Wetter.
Es sieht alles so traumhaft aus, auf deinen Fotos, wird bald auch mal mein Ferienziel werden.
Nun weiterhin alles gute und Unfallfreie Fahrt in Norwegen.
Hallo Nicolas
AntwortenLöschenWir verfolgen deine Reise aus einer ähnlich schönen Gegend. Wie du ja weisst, bereisen wir Kanada. Wir haben Skandinavien auch in unserer Favoritenliste gehabt, haben uns dann aber für Kanada entschieden. Wenn wir jetzt aber deine Berichte lesen, werden wir sicher früher oder später einmal in den Norden reisen.
Liebe Grüsse aus Kanada
Angi & René
Hey Nic,
AntwortenLöschentoller Reisebericht! Ich hoffe dein Knie hat nicht zuviel gelitten....nach der langen Wanderung!!! Nach langer Hitzeperiode, ist es auch hier kälter geworden und es regnet...nein es schüttet! Ich wünsche dir noch mehr tolle Erlebnisse, unfallfreie Fahrt und viel Vergnügen. Aschi
Hehe, it was nice talking to you, and looking at your great pictures. Have a good trip further on :) And I really like your blog!
AntwortenLöschenMaria
PS: Where did you found internet in Alta? :)
AntwortenLöschenHoi lieber Nicolas,
AntwortenLöschenSehr spannend, was du alles erlebst und tolle Bilder. Hach, da wächst beim Betrachten in mir die Sehnsucht nach Weite und unbegrenzter Sicht.
Hoffentlich ist dir der Wettergott doch noch hold und schickt trockeneres Wetter.
Gute Reise und immer wieder ein gelungenes "in to the wild"
Mami